Vinyl, CD, MP3 - Klangunterschiede werden wieder zum Thema.
Zwischen CD-Anhängern und Vinyl-Verfechtern tobte Anfang der 1980er-Jahre
ein Glaubenskrieg: Ist die analoge LP besser, ist die digitale CD besser?
Die Unterschiede waren auf "normalen" HiFi-Anlagen nicht so leicht auszumachen,
also hat sich die CD aufgrund verschiedener "praktischer" Vorteile in den
letzten 25 Jahren durchgesetzt. Mit dem Aufkommen der diversen Kompressionsverfahren
(MP3, MP4 usw.) hat sich aber zweierlei verändert: Erstens verliert
die CD Marktanteile. Und zweitens wird jetzt nur allzu deutlich, dass zwischen
MP3 und Vinyl ein klanglicher Unterschied besteht - und dass dieser Unterschied
beträchtlich ist. Irgendwie geht bei MP3 eine Menge Musik "verloren". Aber
was genau - und warum?
"Eine Vinyl-LP hat 12 Gigabyte"
Natürlich hat sie das nicht. Aber das Schlüsselwort zu den (hör- und
spürbaren!) Klangunterschieden heisst "Datenreduktion" - und dieser Begriff
lässt sich über den Umweg des benötigten Speicherplatzes ein wenig erhellen:
Wenn ein Musikstück im MP3-Format z.B. 5 MB braucht, dann wären das vielleicht
50 MB bei einer unkomprimierten CD - aber wieviel bei der LP? Jemand
hat einmal berechnet, dass man LPs mit 800kHz Samplingrate abtasten müsste,
um wirklich alle Feinheiten zu erfassen (zum Vergleich: Bei der CD sind's
44,1 kHz) Ergebnis: umgerechnet etwa 1 GB für einen
Vinyl-Hit. Da passt dann aber nicht mehr viel auf einen iPod. Also
gibt's Abstriche beim Klang. 5 MB können eben nicht im entferntesten
so klingen wie 1 GB.
Der Vergleich mit einem Foto macht es vielleicht noch deutlicher: Rastern Sie ein Bild einer modernen Digitalkamera (z.B. 5 MB groß) so grob auf, dass Sie auf 25 KByte Bildgröße kommen.
Und? Was sehen Sie? Wo sind die Details geblieben?
Das Ohr lässt sich nicht betrügen
Ähnlich verhält es sich - allerdings gut versteckt - mit der Datenreduktion in der Musik. Hier zwei Beispiele, wie Daten reduziert werden können:
Laute Töne übertönen leise Töne. Also lässt man die leisen Töne gleich ganz weg.
Lautstärkeunterschiede werden reduziert - alles bleibt mehr oder weniger "gleich laut". Wenn man so die Dynamik minimiert, braucht man auch weniger Speicher.
Es liegt nahe, dass solche Eingriffe in die Musik sehr wohl hör- und spürbar werden. Die Frage ist: Wieviel Einbuße bin ich bereit zu akzeptieren?
Feine Geräusche an der Hörschwelle transportieren zum Beispiel
Rauminformationen: Fehlen diese Geräusche, wird das Klangbild
flach, undifferenziert.
Leise Anblas- oder Atemgeräusche sind für Authentizität
und Emotion wichtig.
Dynamikunterschiede sind insbesondere bei klassischer Musik ein wesentliches Element. Auch hier trifft der Begriff "flach" zu, wenn man die Unterschiede einengt.
Aber jeder kann selbst entscheiden: Bei Preiser Records gibt's viele historische Aufnahmen in bis zu 4 verschiedenen Versionen: Als MP3 zum Downloaden, als - klanglich höher einzustufende - CD-Version (im Versand) und in vielen Fällen auch noch auf komplett analog produziertem NOS-Vinyl (NOS = new old stock).
(siehe Preiser LP-Katalog) bzw. sogar auf analoger MC (= Music-Cassette; auf Anfrage).
Preiser hat noch eine Menge Analog-Aufnahmen in Vinyl.
Zahlreiche NOS-Vinyl-Platten, die in den 1960er- und 1970er-Jahren mit analoger
Technik "State-of-the-art" produziert wurden, sind noch in großer Stückzahl
vorhanden. Schwerpunkt: Historische Sängerporträts, die in der mittlerweile
legendären Serie "Lebendige Vergangenheit" mehr als (250) SängerInnen
des vergangenen Jahrhunderts "zum Leben erweckt".
Der tontechnische und künstlerische "Eckpfeiler" und Mitgesellschafter von Preiser Records ist Prof. Jürgen Schmidt: Als einer der renommiertesten Aufnahmeleiter Österreichs der letzten 50 Jahre hat er nicht nur die Größen der Musikszene - Sänger, Komponisten, Dirigenten, Musiker - persönlich gekannt, sondern ist nach wie vor maßgeblich für die hohe Qualität der Neuaufnahmen bzw. Überspielungen verantwortlich.
Lebendige Vergangenheit: Von Original-Schellacks übertragen
Unter der Leitung von Prof. Schmidt wurden mehrere Jahrzehnte lang Tausende einzigartige Tondokumente von Original-Schellacks auf Masterbänder übertragen.
Diese Aufnahmen bilden den Grundstock der "lebendigen Vergangenheit" - wahrscheinlich der weltweit einzige und letzte in diesem Umfang erhaltene "Katalog" großer Sänger des vorigen Jahrhunderts - in einer Klangqualität, die ganz nah daran am Original ist. Gerade, weil die Aufnahmen rauschen - wie alte 78er-Platten eben rauschen! Aber nach ein paar Minuten hören Sie das nicht mehr, denn die Stimmen ziehen einen einfach in ihren Bann.
Schellacks: Ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte
Schellacks - das sind jene schweren, hochgradig zerbrechlichen Schallplatten, die auf 78 Umdrehungen pro Minute (78 rpm) laufen und die meist mit dem Trichtergrammophon - und einem entsprechend "furchtbaren" Klang - in Verbindung gebracht werden.
Schade, denn es ist alles ganz anders: Schellacks waren mehr als ein halbes Jahrhundert lang das Tonaufzeichnungs-Medium schlechthin und erreichten in den 1950er Jahren praktisch HiFi-Qualität. Die letzen kommerziell erhältlichen 78er wurden übrigens noch 1965 (!) gepresst.
Schellacks: Direct-to-disk
Hochinteressant aus klanglicher Sicht: Bis sich die Tonbandaufnahme durchsetzte (so etwa ab Anfang der 1940er-Jahre), waren Schellack-Aufnahmen "Direktschnitt-Platten" - etwas, das heute unter audiophilen Vinyl-Fans höchste Wertschätzung genießt. Denn: Die Musikdarbietung wird ohne Umwege sofort in eine sogenannte Matrize geschnitten. Also kein Umweg über ein anderes Medium, kaum "Studiotechnik" dazwischen.
Resultat: eine faszinierende Direktheit des akustischen Ergebnisses, eine Unmittelbarkeit und unglaubliche Realistik (vor allem bei Stimmen!!) , die mit keinem anderen Medium mehr erreicht wurde. Diese Behauptung klingt gewagt, aber war schon damals - also in den Nachkriegsjahren - kaum jemand in der Lage, 78er auf bestmöglichem Equipment zu hören, so ist es bei uns seit Jahrzehnten aus technischen Gründen praktisch unmöglich: Von den Nadeln über die Laufwerke bis zu den Entzerrer-Vorverstärkern ist nur mehr schwer an "richtiges" Equipment heranzukommen - und nur "Freaks" wissen, dass sich das auch lohnt:
Wenn Sie die Chance haben, einmal eine Swing-Schellack - oder noch besser Rock'n Roll - auf 78 rpm und mit optimiertem Equipment hören, dann tun Sie's, denn das "haut Sie vom Stuhl" - garantiert!
Wer jetzt neugierig geworden ist: Einfach unter "78 rpm" im Internet
suchen!
Schellacks: Das Rauschen gehört zum guten Ton.
Ein Manko der Schellack sei nicht verschwiegen: Das Material - ursprünglich
"Schellack", das Sekret der indischen Lacklaus - ist grobkörniger als Vinyl.
Das limitiert die obere Grenzfrequenz - und man hört die Materialstruktur:
Es rauscht. Bei "modernen" Überspielungen auf digitale Tonträger setzen
Tontechniker heute meist alles daran, dieses Rauschen zu eliminieren - und
schneiden damit essenzielle Klangbestandteile weg. Nicht zuletzt deshalb
klingen viele dieser Aufnahmen bestenfalls fad, meistens aber katastrophal
schlecht.
Lebendige Vergangenheit von Preiser: Alles da!
Die Aufnahmen der "Lebendigen Vergangenheit" sind bis zu 100 Jahre alt,
sie rauschen - aber das ist die hörbare Garantie, dass nichts fehlt: Alles
wurde mit der richtigen Nadelverrundung (65 µm waren bei weitem nicht alles),
der richtigen Umdrehungszahl (78 rpm waren nie wirklich 78 rpm!!) und der
geeigneten Entzerrung (auch das ein Roman für sich) originalgetreu übertragen:
Auf Vinyl in purer Analogtechnik, auf CD wurde mit Sonic Solutions behutsam
optimiert - also Kratzer eliminiert und grobe Störungen beseitigt.
Hören Sie sich das an - um mit Karl Farkas zu sprechen.
Die Preiser Tonstudios
"Klassische" Aufnahmen seit über 40 Jahren
Preiser Records verfügt über mehrere Studios, in denen aufgenommen bzw. überspielt wird. Eines dieser Studios, das so genannte Casino Baumgarten wurde seit 1965 nicht verändert und ist praktisch im Originalzustand mit dem Original-Gerätepark erhalten geblieben. Als eines der weltweit letzten Klassik-Aufnahmestudios in Vintage-Röhrentechnik ist dieses Studio nach wie vor betriebsbereit und wird auch noch für höchstwertige Analog-Aufnahmen genutzt.
Dazu stehen Aufnahmeräumlichkeiten mit beeindruckender Akustik zur Verfügung, die selbst Großproduktionen Platz bieten - vergleichbar etwa mit den leider zerstörten ehemaligen Sofiensälen in Wien.
Aufnahme-Boom im Wien der 1950er-Jahr
In den späten 50er-Jahren erlebte Wien einen regelrechten Aufnahme-Boom:
Amerikanische Plattenfirmen waren ständig auf der Suche nach geeigneten
Sälen, den besten Musikern, Studios und Aufnahmetechnikern. Geld spielte
keine Rolle - der Doller stand damals auf rd. 25 Schilling -, die Musiker
waren billig und alle waren mit Begeisterung dabei, die noch neue High Fidelity
Technik und - seit etwa 1958 - auch die Stereo-Technik auszuloten. In diesen
Jahren sicherte sich übrigens auch DECCA London die Rechte an den Wiener
Sofien-Sälen und nahm dort zahlreiche Meilensteine der Klassik auf.
Das Preiser Vintage-Studio von 1965
1965 mit der besten damals erhältlichen Technik eingerichtet (vergleichen Sie die Aufstellung weiter unten: Die Geräte sind auch heute noch State-of-the-art), war das große Studio und der daran angeschlossene Aufnahmesaal bis in die 1970er-JahreTreffpunkt der bedeutendsten Musiker und Kabarettisten Österreichs: Friedrich Gulda nahm hier mit dem Eurojazz-Orchester auf, Paul Badura-Skoda und Jorg Demus saßen am Bösendorfer Imperial-Flügel, Gilbert Schuchter spielte alle seine Schubert-Aufnahmen und sein gesamtes Mozart-Repertoire ein, Fatty George war dabei - genauso wie Karl Farkas, Helmut Qualtinger und viele andere. Man traf sich zu legendären Aufnahmesitzungen unter der Leitung von Josef Kamykowski.
Unsere Ton-Ingenieure: Jahrzehntelange Erfahrung
Viele der genannten Künstler sind inzwischen Legende - die Künstler an den Reglern sind aber noch immer quasi "im Originalzustand" erhalten geblieben:
Josef Kamykovsky ist seit fast 60 Jahren "im Geschäft" und hat die gesamte analoge Studio-Technik von ihren Anfängen an erlebt, eingesetzt und mitgestaltet.
Helmut Leistner betreut das Preiser Studio Wassergasse. Es wird insbesondere
für Sprachaufnahmen, Hörspiele und Restaurationen („Lebendige Vergangenheit“)
genutzt.